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Zweiter Platz beim nicht offenen Realisierungswettbewerb Neubau Frei- und Seebad Fischbach

Zweiter Platz beim nicht offenen Realisierungswettbewerb Neubau Frei- und Seebad Fischbach

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Auslober / Verfahren:

Stadt Friedrichshafen

Visualisierung:
Andreas Stuchlik, Karlsruhe

Wettbewerbsaufgabe:

Planung eines Frei- und Seebades direkt am Bodensee mit allen notwendigen Gebäuden und Freibereichen

Wettbewerbsaufgabe ist die Planung eines saisonalen Frei- und Seebades für die Bevölkerung. Der bisherige Charakter eines Familienbades soll erhalten bleiben. Touristische Aspekte und Attraktionen werden damit nicht verfolgt.

Die besondere Qualität des Standortes machen die unmittelbare Nähe und der direkte Zugang zum Bodensee aus. Dieses sollte sich in der Planung der Gebäude und der Freianlagen niederschlagen. Der Sichtbezug zum See - unter Berücksichtigung des zu erhaltenden Grünbestandes - sollte ein wesentliches Thema sein.

Konzept:

Städtebauliche Leitidee

Die Leitidee folgt dem Wunsch, dem Ort Fischbach am Bodensee ein angemessenes Familienseebad zu errichten. Dies erreichen wir durch zurückhaltende Gebäude mit einfachen Materialien. Dem Gebäude zugeordnet ist eine kompakte Badelandschaft, um einen möglichst großen, zusammenhängenden Grünbereich zu gewährleisten und den Seehag freizustellen. Wichtig ist die Eingeschossigkeit der Gebäude und damit die Unterordnung unter die Baumsilhouette des Seehags.
Durch einen langgestreckten Baukörper, der an der nördlichen Grenze angeordnet ist, schaffen wir eine klare Trennung und lineare Abfolge von Nord nach Süd von Parkplätzen zu Gebäude zu Badelandschaft zu Liegewiese zu Seehab zu Strand zu Bodensee.
In gleicher sinnfälliger Abfolge organisiert sich der langgestreckte Baukörper von West nach Ost: von Dienstwohnung - zu Backoffice - zu Haupteingang - zu offenen Umkleiden - zu Kiosk zu Lager - zu Energiezentrale.

Erschließung

Der Badegast kommt über die gewohnten Wege zum Freibad, egal ob mit dem Velo über die Strandbadstraße, motorisiert über die Zeppelinstraße oder zu Fuß aus allen Richtungen. Die Stellplätze sind an Ort und Stelle geblieben, für Velos westlich, für Autos und Zweiräder östlich des Haupteingangs, sauber getrennt.
Um steigenden Besucherzahlen gerecht zu werden, ist die Anzahlt der Velostellplätze entsprechend erhöht worden. Zusätzlich besteht die Option nördlich der Energiezentrale weitere Kfz-Stellplätze zu schaffen. Der Vorplatz vor dem Eingang bleibt selbstverständlich autofrei.
Der Badegast nähert sich dem Eingang über den großzügigen Vorplatz, auf dem sich Warte- und Sitzmöglichkeiten unter Schatten spendenen, doppelreihigen Bäumen befinden.
Der Gebäuderiegel öffnet sich an dieser Stelle über die volle Breite des Vorplatzes. Der Blick ist frei über die Schwimmbecken hinweg, hin zum Seehag mit dem dahinterliegenden Bodensee. Durch den freien Einblick gibt es keine Hemmschwelle oder Barriere. Im Gegenteil man wird zum Mitmachen/Mitschwimmen außerhalb des Bades animiert.
Unter der einladenden Überdachung liegt der Kassenpavillon und die weiteren Zugangskontrollen. Nach dem Eintreten ins Bad trifft man auf die zentrale Verteilerfläche, auf der die Orientierung leicht fällt, da sämtliche Wasserbecken nun direkt vor dem Besucher liegen. Dies wird durch die abwärts terrassierten Becken, die dem fallenden Gelände folgen, noch verstärkt.

Freiflächen und Uferweg

Ziel war es, bauliche Anlagen vom Seehag weit entfernt zu halten, sowie eine große, zusammenhängende Liegewiese zu schaffen. Dies können wir erreichen, indem wir die Gebäude in einen schmalen, eingeschossigen Riegel ganz an der nördlichen Grenze zusammenfassen und die Badelandschaft direkt davor arrangieren. Von der Liegewiese ist nach wie vor der Zugang zum Ufer des Bodensees durch den Seehag möglich. Die hochstämmigen Bäume lassen den Blick auf den See vom Haupteingang schon frühzeitig zu. Aufforstungen im Unterholz sollen deshalb nur am östlichen und westlichen Ende des Seehags erfolgen. Die Baumsilhouette des Seehags schafft zusammen mit unserem Gebäuderiegel einen definierten Raum, eine Waldlichtung für das Seebad.
Im Winter bleibt der Fußweg entlang des Ufers erhalten, im Sommebetrieb wird der Uferbereich durch Schließen der Zauntore um das Seebad umgeleitet.

Innere Organisation

Der Eingang teilt den Gebäuderiegel in zwei Hälften.
Im Osten befinden sich die offenen, unbeheizten Umkleiden, Sammelumkleiden, Duschen, WC's, Spinde mit den Fönplätzen sowie der Kiosk mit Gastraum und bestuhlter Terrasse. Am östlichen Ende folgen die Lager- und Geräteräume sowie deutlich abgerückt die Energiezentrale. Alle diese Bereiche sind nicht unterkellert.
Im westlichen Teil des Gebäuderiegels befinden sich die beheizten Räumlichkeiten, angefangen mit dem Aufsichtsraum des Schwimmmeisters und dem Erste-Hilfe-Raum. Über das großzügige Foyer für den Warmbereich mit weiteren Fönplätzen erreicht man den Stiefelgang, der zu den Umkleiden führt. Nach dem Umkleiden wird man in den Barfußgang geleitet, von dem aus die Sanitärräume zugänglich sind. Nun besteht die Möglichkeit, ins Freie zum Schwimmer- und Thermalbecken oder in die Wärmehalle zu gehen. Am Ende des Stiefelgangs beginnt, zugänglich nur für Personal, das Backoffice mit Verwaltung, Sozialräumen, Technik- und Kleinlagerflächen sowie deren Anlieferung und der Treppe ins Technik-Untergeschoss. Der komplette Westteil ist voll unterkellert. Im Untergeschoss befinden sich die erforderlichen Technikflächen.

Konstruktion, Material und Farbe der Gebäude

Das Bad besticht durch seine Einfachheit. Das spiegelt sich auch in der Wahl der Konstruktion und Materialien wieder. Eine Reihung von tragenden Schotten aus eingefärbten Sichtbeton-Fertigteilen bildet das Rückgrat oder die Wirbelsäule der Badgebäude. Die Farbgebung ist warm, hell in einem sandig-beigen Ton.
Die Dachscheibe ist eine nichtgleichschenkelige, V-förmig geknickte Holzkonstruktion, die auf den Schotten aufliegt. Alle Haupt- und Nebenträger sind hierbei in einer Ebene geplant, sodass die Konstruktionshöhe minimiert ist. Die V-Form ist eine einladende, öffnende Geste und gleichzeitig die Gegenbewegung zum abschließenden Gebäuderiegel.
Die Untersicht wird durch naturbelassene Holzleisten verkleidet. In den Leistenabständen findet sich Platz, um die notwendige Beleuchtung unsichtbar zu integrieren. Die Holzleisten ragen über die eigentliche Konstruktion entlang der hochstehenden Traufen, ähnlich einem Kamm, deutlich hinaus. Es entsteht ein sanfter Übergang, ein Sonnenfilter zwischen voller Sonne und vollem Schatten.
Zur Straße hin werden die Schotten durch einen vorgehängten "Mantel" aus ebenfalls naturbelassenen Holzleisten verkleidet. Es gibt hierbei Bereiche, in denen der Mantel nur als ein Paravent zwischen Außenraum außen und Außenraum innen funktioniert. Ebenso gibt es Situationen, bei denen hinter dem Mantel eine Pfosten-Riegelfassade steht. Hier befinden sich beheizte Innenräume, in die man keine volle Einsicht gewähren möchte. Dementsprechend wird die Glasfassade beheizter und besucheroffener Innenräume nicht zusätzlich verhüllt.