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Qualifizierungsverfahren Mainz, Heiligkreuzviertel, Baufeld 07

Qualifizierungsverfahren Mainz, Heiligkreuzviertel, Baufeld 07

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Auslober / Verfahren:

GEKOBA Gesellschaft für Gewerbe- und Kommunalbauten mbH

Wettbewerbsaufgabe:

Der Auslober hat im Juli 2019 das 3.821 qm große Grundstück Nr. 35/51, Flur 2, Gemarkung Weisenau von der Mainzer Stadtwerke AG erworben. Das Grundstück liegt im neuen Stadtquartier Heiligkreuzviertel im Umgriff des rechtskräftigen Bebauungsplans W 104.
Der Auslober beabsichtigt auf einer oberirdischen Geschoßfläche von mindestens nachgewiesenen 8.850 qm Mietwohnungen im mittleren Mietpreissegment für Singles, Paare, Familien mit Kindern und Arrivierte, die bürgerliche bis bürgerlichinnovative Lebensstile mit mittleren bis gehobenen Status pflegen, zu realisieren. Die Kompaktheit und Funktionalität (Stellflächen für Möblierung) der Grundrisse
nimmt für den künftigen Vermietungserfolg wesentliche Bedeutung ein. Das Verhältnis von Wohnfläche gemäß WoFlV zu oberirdischer Geschoßfläche ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten von grundlegender Bedeutung. Nachzuweisen ist daher mindestens ein Verhältnis von 0,77. Für den Mix und die Größe der Wohnungen sind die nachfolgenden Vorgaben verbindlich einzuhalten.

Konzept:

Gestalterische Gesamtkonzeption
Unser Ziel war es, das massige Gebäudevolumen so zu gestalten, dass es durch die Fassadengliederung den menschlichen Maßstab nicht verliert und eindeutig als Wohngebäude identifiziert wird.
Dazu haben wir klassische, zeitlose Details entwickelt, die jedem vertraut sind und sofort mit „Wohnen" assoziiert werden. Einfach gesagt: die Gebäude haben einen Sockel, eine Wand mit Fenstern und ein Dach. Der Sockel aus Stein ist die Basis auf dem alles steht, er ist kräftig, robust und beständig. Die Wand mit Fenstern ist fein und hell verputzt. Die Fenster mit Brüstung und Fensterbank haben stehende Formate und eine funktionale Teilung. Das Dach mit Überstand ist vom Straßenraum ablesbar, bildet den oberen Abschluss des Gebäudes, transportiert den Gedanken von „behütet" sein und schützt nebenbei die Fassade vor der Witterung.
Die Körper sind scharf geschnitten und durch Fugen sauber getrennt. Die Grundrisse sind in den Fassaden ablesbar, die Materialien sind zeitgemäß gewählt, dimensioniert und passgenau eingesetzt.


Fassadengliederung, Material- und Farbkonzept
Die grobe Gliederung liefert die übergeordnete Gesamtkonzeption aus Sockel, Fassade und Dach. Dauerhaft, robust, wertig, das sind die Eigenschaften des sand-/erdfarbenen Klinkers. Diesen sehen wir als das Material des umlaufenden Gebäudesockels und der Einfriedung.
Von den Materialeigenschaften ganz abgesehen, vermittelt der Stein jedem Gebäude Stattlichkeit. Im Detail liegt die Betonung in der horizontalen Gliederung des Sockels in zwei Abschnitte. Der untere Teil einschließlich der Einfriedung, mit grober Oberfläche durch verlegen der Schichten in zwei Ebenen, der obere Teil als feinere Oberfläche durch Verlegung wie üblich in einer Ebene.
Die Fassade ist als Lochfassade mit einer gleichmäßigen Fensterverteilung konzipiert. Die Fenster, Balkone und Loggien haben niedere, 65 cm hohe, massive Brüstungen, die mit einem horizontalen Brüstungsstab aus Stahl gesichert sind. Die Brüstungslinien werden bei Baukörper 1 durch Klinkerbänder weitergeführt, um eine horizontale Schichtung auf der städtischen Seite, entlang des Blockrandes zu erzeugen und dem Gebäude Masse und Höhe zu nehmen. Beim rückwärtigen Baukörper verzichten wir auf diese Gliederung, da wir uns inmitten des Quartiers befinden.
Die Parzellierung bei Baukörper 1 wird durch unaufdringliche Rücksprünge der Treppenhäuser erreicht. Das Dach mit hellem Überstand ersetzt die Attika, die Entwässerung ist nach innen gerichtet, der Rand bleibt schmal und filigran, ohne davorhängende Rinne und Fallrohre auf der Fassade. Die Fenster selbst, gerne aus Holz, als auch Brüstungsstäbe und Geländer entlang des Laubengangs sind feine, weiß lackierte Stahlgeländer.


Funktionale Zusammenhänge und Abläufe im Gebäude
Baukörper 1 (Bogen) :
Im Regelgeschoss sind zwei 4-Spänner und drei 2-Spänner Grundrisse vorgesehen. Alle Eingänge und Treppenhäuser samt Aufzüge sind gleich organisiert und führen barrierefrei vom Keller/Tiefgarage bis ins 3. Obergeschoss.
Die WE im Erdgeschoss liegen im Hochparterre und werden mit dem Durchladeaufzug barrierefrei erreicht. An dieser Stelle befindet sich auch der Durchgang zum Innenhof, den alle Bewohner nutzen können.
Im Keller sind direkt an jedem Treppenhaus Räume für Kinderwägen und Rollatoren vorgesehen. Die Keller- und Fahrradabstellräume der WE des jeweiligen Treppenhauses liegen ebenfalls in unmittelbarer Nähe. Die Müllräume sind in der Tiefgarage über Treppen und Aufzüge gut erreichbar. Die Grundrisse an der Enden des Gebäudes entwickeln sich um die Ecke, was dazu führt, dass es keine Neben/Giebelseite gibt, das Gebäude läuft sozusagen weiter um die Ecke und wird nicht einfach abgeschnitten. Jede Wohnung erhält einen der Sonne zugewandten, großzügigen Balkon/Loggia.
Baukörper 2 :
Im Regelgeschoss ist eine Laubengangerschließung mit 9 WE / Geschoss vorgesehen. Auch hier liegt das Erdgeschoss gegenüber dem Gehweg höher. Das Eingangspodest wird über eine Außentreppe bzw. eine flache Rampe barrierefrei erschlossen.
Auch hier erreicht man mit der Treppe bzw. dem Aufzug alle Geschosse und die Tiefgarage, auch hier sind dem Treppenhaus die dienenden Räume und Funktionen im Keller direkt zugeordnet. An dem außenliegenden Laubengang sind kleine WE angeordnet, sodass keine Aufenthaltsräume, sondern nur Küchen und Essplätze am Laubengang liegen und zur Kommunikation mit den Mitbewohnern einladen.


Tiefgarage, Stellplätze für KFZ, Fahrräder und Müll
Die geforderten Stellplätze für KFZ und Fahrräder finden sich in der Tiefgarage. Die Tiefgarage ist eingeschossig, ohne Doppelparker, mit natürlicher Be- und Entlüftung, nach Garagenverordnung geplant. Die notwendigen Fahrradabstellflächen werden in den Kernen zugeordneten Veloräumen in der Tiefgarage nachgewiesen, um die wenigen oberirdischen Freiflächen nicht zusätzlich zu belasten.
Für den Müll gibt es zwei gut erreichbare Müllräume. Jeder/s Gebäudeteil / Treppenhaus ist an die Tiefgarage direkt über eine Schleuse angebunden.
Um Bäumen im Innenhof den lebensnotwendigen Erdverbund zu bieten, schlagen wir zusätzlich zwei Bereiche vor, wo dies möglich ist. Alternativ wäre es möglich an diesen Stellen auf die Bäume zu verzichten und weitere 6 Stellplätze als „Hintereinderparker" anzubieten.
Die 2-spurige Tiefgaragenabfahrt liegt im Gebäude, das Tor ist oben am Gehweg angeordnet. Der Bodenbelag ist, wenn von den Wasserverhältnissen möglich, ohne Bodenplatte, mit Beton-Verbundpflaster ausgestattet.
Die Erdschicht über der Tiefgaragendecke ist mit einer Stärke von 60 cm eingeplant, um eine funktionierende Begrünung abbilden zu können. Die Decke ist als WU-Decke ohne Gefälle und zusätzlicher Abdichtung geplant, um einen wirtschaftlichen Bauablauf zu gewährleisten.


Außenanlagen
Die im Innenblock liegenden Außenanlagen werden direkt von den Gebäuden, als auch von den Gehwegen erreicht. Die Fläche liegt um ca. 50 cm gegenüber den Gehwegen erhöht, was die Privatheit unterstreicht, jedoch von Häusern ebenerdig, um diese hindernisfrei zu erreichen. Die Wohneinheiten im Baukörper 1 ( Bogen ) erhalten kleine, zugeordnete Terrassenflächen, die durch niedere Hecken eingefasst werden. An den hofseitigen Hauseingängen sind Fahrradstellplätze für Besucher angeordnet. Bänke entlang des Weges laden zum Verweilen ein. An zentraler Stelle weitet sich der Weg zu einer Kleinkinderspielfläche. Die großkronigen Bäume mit Erdverbund sorgen für Schatten und schaffen eine angenehme Distanz zwischen den kompakt stehenden Baukörpern. Der Innenhof ist mit unterschiedlich hohen Gräsern, blühenden Stauden, bis zu begehbaren Rasenflächen unterschiedlich bewachsen und bietet Bienen einen Lebensraum inmitten der Stadt. Die blühenden, wohlduftenden Laubbäume machen die Jahreszeiten erlebbar und sorgen für Vogelgezwitscher.


Vorbeugender Brandschutz
Die wesentlichen Punkte des baulichen Brandschutzes bei unserem Entwurf liegen in der einfachen Auffindbarkeit der Gebäudeeingänge, der Ausweisung von Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr ( siehe Planeintragungen im Prüfplan ), der Bildung von Brandabschnitten und der Erstellung der Flucht- und Rettungswege.
Baukörper 1 ( Bogen ):
Der Erste Rettungsweg erfolgt grundsätzlich aus allen Einheiten über die Treppenhäuser direkt ins Freie. Der zweite Rettungsweg erfolgt über Anleitern.
Die Treppenhäuser sind eigene Brandabschnitte, die ausschließlich aus nicht brennbaren Materialen in R90 hergestellt werden und keine Brandlasten aufweisen. Die Rauch- und Wärmefreihaltung ist durch Rauchabzugsanlagen über Dach gesichert.
Darüber hinaus wird der Baukörper 1 ( Bogen ) in fünf Brandabschnitte aufgeteilt, die vertikalen Brandwände über Dach hochgeführt. Die Decken und Wohnungstrennwände, ebenfalls aus nicht brennbaren Materialen in R90, bilden die horizontalen Brandabschnitte.
Baukörper 2:
Der erste Rettungsweg erfolgt grundsätzlich aus allen Einheiten direkt ins Freie in den offenen Laubengang, dieser führt zum notwendigen Treppenhaus. Der zweite Rettungsweg erfolgt über Anleitern.
Das Treppenhaus ist ein eigener Brandabschnitt, das ausschließlich aus nicht brennbaren Materialen hergestellt wird und keine Brandlasten aufweist. Die Rauch- und Wärmefreihaltung ist durch eine Rauchabzugsanlage über Dach gesichert.
Der Baukörper 2 ist ein Brandabschnitt.
Baukörper 1+2:
Der anlagentechnische Brandschutz ist reduziert auf den Schutz in der technischen Gebäudeausrüstung durch bauliche Schottungen und Schächte, auf die Ausbildung von Brandschutz- Unterdecken wird weitestgehend verzichtet.
Der organisatorische / betriebliche Brandschutz ergänzt den baulichen Brandschutz durch die Instandhaltung, Wartung, Nutzung der Brandschutzeinrichtungen. Die Kennzeichnung und Freihaltung von Flucht- und Rettungswegen, der Aushang von Brandschutzordnungen zur Brandvermeidung und für Maßnahmen im Notfall sind obligatorisch.
Schallschutz
Der Schallschutz ist in den äußeren und inneren Schallschutz gegliedert:
Der äußere Schallschutz ist durch die Lärmbelastung der Umgebung definiert. Entsprechend des Lärmeintrags werden die Außenbauteile, wie Fenster, Haustüren und Wandaufbauten bemessen. Entwurflich sind die Loggien und Balkone der Ringstraße abgewandten Seiten zugeordnet, um zusätzliche Schallschutzmaßnahmen zu vermeiden.
Beim inneren Schallschutz wird der „erhöhte" Schallschutz durch entsprechende Wandgewichte für Wohnungstrenn- und Treppenhaus- und Außenwände, schwimmende Estriche und entkoppelte Treppenläufe erreicht.
Die Aufzüge sind so angeordnet, dass sie an keine Aufenthaltsräume angrenzen, auch hier sind die Wandgewichte und angrenzende Decken so dimensioniert, dass der erhöhte Schallschutz problemlos erreicht wird.
Auch die Lüftungsauslässe der Tiefgarage, die geschickt in die Außenanlagen integriert sind, fordern keine zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen.