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Neue Stadtmitte Rheinstetten Baufeld 2.1 - Beauftragung

Neue Stadtmitte Rheinstetten Baufeld 2.1 - Beauftragung

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Auslober / Verfahren:

Kreisstadt Rheinstetten - 2-phasiges Investoren- und Architektenverfahren für den Neubau von Wohngebäuden und Geschäftsgebäuden auf den Entwicklungsgrundstücken "Neue Stadtmitte - Rheinstetten"

Visualisierung:
Andreas Stuchlik, Karlsruhe

Wettbewerbsaufgabe:

In der Großen Kreisstadt Rheinstetten steht die Schaffung einer „Neuen Stadtmitte" im Fokus der städtebaulichen Entwicklung. Aus diesem Grund beabsichtigt die Stadt die Veräußerung von acht Grundstücken in fünf Baufeldern entlang der Rappenwörthstraße, Siegelgrundstraße und Querspange mit einer Grundstücksfläche von insgesamt knapp 25.000 m².
Auf Grundlage des vorliegenden Bebauungsplans „Stadtmitte Rheinstetten" und dem zugrundeliegenden Gestaltungsplan des Büros evaplan aus Karlsruhe, die zugleich den planungsrechtlichen Rahmen für das vorliegende Investoren- und Architektenauswahlverfahren bilden, sollen die Grundstücke erschlossen und entwickelt werden.

Die Entwicklungsgrundstücke liegen im Herzen der Stadt Rheinstetten an repräsentativer Stelle und prägen zukünftig einen wesentlichen Teil des Stadtbildes. Die Stadt beabsichtigt die Entwicklung eines modernen und nachhaltigen Innenstadtquartiers. Das Areal soll im Rahmen der Neuordnung der Innenstadt gestalterisch aufgewertet werden und eine neue Stadtmitte ausformulieren. Im Zuge der Maßnahme sollen die umliegenden Wohn- und Geschäftslagen ebenfalls eine Belebung erfahren.
Gegenüber des Rathauses entlang der Rappenwörthstraße soll ein Platzensemble mit Kulturhaus und flankierenden Handels- und Geschäftshäusern entstehen. Ferner soll zwischen dem geplanten grünen Band (Stadtpark) und der Bundesstraße B36 ein attraktives Wohnquartier realisiert werden.

Innerhalb des Quartiers sollen unterschiedliche Wohn- und Lebensformen etabliert werden. Es soll ein urbanes und sozial durchmischtes Stadtquartier für möglichst unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entstehen. Die Stadt Rheinstetten beabsichtigt die Ansiedlung von jungen Familien, älteren und sozial benachteiligten Menschen sowie Sonderwohnformen wie beispielsweise Studentenwohnen, be-treutes Wohnen oder ähnliches in der neuen Stadtmitte zu fördern. Aus diesem Grund soll auf dem Areal kostengünstiger, hochwertiger und barrierefreier Wohnraum für unterschiedlichen Zielgruppen geschaffen werden.
Insgesamt umfasst das zur Disposition stehende Areal fünf Baufelder mit insgesamt acht Grundstücken und jeweils unterschiedlichen Gebäudetypologien sowie Nutzungen. Die „Neue Stadtmitte - Rheinstetten" soll zukünftig als urbanes Wohn-, Dienstleistungs- und Einzelhandelszentrum ausgebaut werden. Zwei der acht Grundstücksflächen sollen vorwiegend mit Geschäftshäusern für Einzelhandel und Dienstleistung bebaut werden. In den Obergeschossen ist auch Wohnen zulässig. Zwei weitere Grundstücksflächen sollen mit reinen Wohngebäuden in Form von einem Riegelbau sowie Geschosswohnbau, Doppel- und Reihenhäusern bebaut werden. Vier Grundstücke, die aufgrund ihrer Änlichkeit zu einem Baufeld zusammengefasst sind, sollen mit Geschosswohnbau bebaut werden.

Konzept:

Erläuterungsbericht Neue Stadtmitte Rheinstetten - Baufeld 2.1
Standort und Zielgruppen
Der zentral gelegene Standort bietet die Möglichkeit, ein lebendiges Quartier als neue Stadtmitte für die Bürgerinnen und Bürger Rheinstettens zu schaffen, in dem sich Menschen aller Altersgruppen zuhause fühlen und sich eine gute Nachbarschaft bildet. Für die Bewohner wurde ein vielfältiges Angebot an Wohnungstypen entwickelt.
Der Schwerpunkt wurde bei diesem Baufeld auf kompakte und funktional geschnittene Wohnungen gelegt, der einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht die Gelegenheit bietet, Wohneigentum zu erwerben. Das Angebot beginnt bei kompakten Zweizimmerwohnungen unter 50 m² Wohnfläche, die für alleinstehende Personen jeden Alters attraktiv sind. Dreizimmerwohnungen beginnen bei rund 80 m² und Vierzimmerwohnungen bei rund 90 m² Wohnfläche. Sie sind für kleine Familien, Alleinstehende und Paare gut geeignet.
Aufgrund der Kompaktheit der Grundrisse schließen sich eine außergewöhnliche Architektur, eine wertige Bauweise und erschwingliche Kaufpreise nicht aus. Insgesamt spiegelt das Wohnungsangebot den Querschnitt der Bevölkerung wider. So entwickelt sich die „neue Mitte" nachhaltig zu einem lebendigen Quartier und kann dazu beitragen, die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt zu stärken.
Entwurfskonzept
So wie sich die drei Ortschaften Forchheim, Mörsch und Neuburgweiher zur Stadt Rheinstetten zusammengefunden haben, so organisieren sich auf dem Baufeld 2.1. drei Gebäude um ein Zentrum. Jedes hat einen eigenen Charakter und ist zugleich Teil eines größeren Ganzen. Sie unterscheiden sich durch die Kubatur, verbunden werden sie durch eine stringente Formsprache und die Fassadengestaltung mit Klinker-Riemchen. Die Gebäude sind als Trio um eine zentrale, grüne Mitte gruppiert. Ein geschlängelter Fußweg führt durch die Außenanlagen und bindet das Quartier an seine Umgebung an.
Die Baukörper erhalten jeweils dreiseitig robuste Steinfassaden, zur gemeinsamen Mitte verlassen die Volumen die orthogonale Kubatur und eröffnen durch die Faltung spannungsreiche Außenräume mit unerwarteten Durchblicken und Fluchten. Sinnfällig werden die Fassaden zur Grünanlage großzügig durch Fensteranlagen und Loggien geöffnet, die Fassaden zeigen sich hell und offen zu ihrem Gegenüber.
Aus den jeweiligen Wohnungen entsteht durch das Abknicken der Fassaden immer ein Bezug zur Baukörperlücke, einen direkten Nachbarn gegenüber gibt es nicht.
Die Loggien bieten einen behüteten privaten Außenbereich für jede Wohnung. Sie sind überwiegend zum ruhigen Innenhof ausgerichtet. Die Loggien der Wohnungen, die zur großen öffentlichen Grünanlage gelegen sind, orientieren sich selbstverständlich auch zu dieser.
Die Erschließung erfolgt bei allen Gebäuden von außen, um einen ruhigen Bereich in der Mitte zu erhalten.
Freiraumkonzept
Die zentrale Mitte ist als nicht den EG-Wohnungen zugeordnete, private Grünanlage konzipiert. Der geschlängelte Weg wird von höhenmodellierten Erhebungen begleitet und führt von kleinen Sitzgelegenheiten zu Spielinseln für die Kinder der Anwohner. Die Grünanlage sehen wir als eine hochstehende Wiese, der Weg entsteht durch den Schnitt der
Wiesenpflanzen. Die kleinen, aber schattenspendenden Bäume stehen ebenfalls auf Erderhebungen, um ausreichend Vegetationshöhe für deren Wuchs zu gewährleisten.
Material- und Farbkonzept
Die steinerne Hülle wird mit dunklen, schwarz-grauen Klinkerriemchen im Dünnformat, mit tief liegender Lagerfuge und schmaler Stoßfuge erstellt. Die allseitig zurückspringenden Staffelgeschosse werden grau- schwarz verputzt, um dem Baukörper Volumen zu nehmen. Alle Gebäude erhalten einen niederen, dunklen Sockel, sodass die Gebäude trotz Steinfassade Leichtigkeit vermitteln. Beim höheren, dritten Gebäude wird der Sockel erdgeschosshoch, um die Proportionen der Klinkergebäude nicht zu verändern.
Die hellen Fassaden auf den Hofinnenseiten sind beige-graue Putzflächen mit einer gekämmten, vertikalen Putzstruktur.
Auf der Hofinnenseite werden die Loggien durch dunkle, durchlaufende Stahlgeländer begrenzt. Die hervortretenden, durchlaufenden Deckenränder, die die Fassade horizontal gliedern, sind Teil der Brüstungsgeländer aus Stahl in gleicher Farbe wie die Geländer.
Energetisches Konzept
Ziel ist die Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch optimierten Wohnquartiers, das hohe Komfort- und Behaglichkeitsansprüche erfüllt, niedrige CO2-Emissionen in Herstellung, Betrieb und Recycling verursacht, kostengünstig im laufenden Betrieb funktioniert und damit nachhaltig ist.
Um dies zu erreichen, werden die Gebäude in einer kompakten Bauform mit einem günstigen Oberflächen- zu- Volumen- Verhältnis (A/V-Verhältnis) errichtet und sind hoch wärmegedämmt. Gleichzeitig ermöglicht die Setzung der Baukörper eine ausgezeichnete Tageslichtversorgung und eine gute natürliche Durchlüftung. Der Wärmebedarf wird über das Nahwärmenetz komplett abgedeckt.
Die Dachflächen der Gebäude werden begrünt, um das lokale Mikroklima zu verbessern, den Heat-Island-Effekt zu reduzieren und um das Regenwasser zu speichern.
Es werden aufgeständerte Photovoltaik-Paneele installiert und der hierdurch erzeugte Strom in den Einheiten selbst verbraucht. Strom-Überschüsse können z. B. zum Aufladen von Elektrofahrzeugen in der Tiefgarage verwendet oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
Ruhender Verkehr, Fahrräder und Müll
Die Tiefgarage wird von jedem Haus direkt mit Treppe und Aufzug angebunden. Alle notwendigen Stellplätze werden in der Tiefgarage untergebracht. Der hohe Stellplatzschlüssel führt zwangsläufig zum Bau von Doppelparkern in Teilbereichen. Die Rampe wird mit Wartebucht und Ampelsteuerung ausgestattet, um mit einer Fahrspur auszukommen und eine überdimensionierte Zufahrtssituation zu vermeiden. Die Besucherparkplätze liegen an der vorgegebenen Stelle in der erforderlichen Anzahl vor.
Die notwendigen, überdachten Fahrradstellplätze werden zum Teil in den großzügigen Wohnungskellern und in einem zentral gelegenen Fahrradraum in der Tiefgarage angeboten. Vor den Hauseingängen stehen Flächen für Kurzparker- und Gästeräder zu Verfügung.
Müll wird zentral in der Tiefgarage in Rampennähe gesammelt, oberirdisch wird eine Abholfläche für die Abfuhr ausgewiesen.
Bauabschnitte & zeitliche Realisierung
Unser Entwurf gruppiert verschiedene Baukörper um eine gemeinsame Tiefgarage. Es ist daher vorgesehen, alle Gebäude in einem engen zeitlichen Zusammenhang zu realisieren.

Beurteilungen durch das Preisgericht - Grundstück B2.1
B2 – 02 – Epple Hausbau GmbH mit Thomas Fabrinsky, Dipl. Ing. Freier Architekt BDA
Der Entwurf schlägt drei Gebäudekörper vor, die im Innenbereich die orthogonale Kubatur verlassen, nach außen aber die Baufluchten der Straßen und der Nachbarbebauung aufnehmen.
Die Erschließung erfolgt in konsequenter Weise bei allen Gebäuden vom öffentlichen Raum. Einläufige Treppen erschließen als Dreispänner die Wohnungen. Im Staffelgeschoss befinden sich jeweils zwei Wohnungen, die allseitig zurückspringen.
Alle Wohngrundrisse öffnen sich konsequent zum Innenbereich. Für alle drei Gebäude werden, je nach Himmelsrichtung und Ausrichtung zum baulichen Umfeld, eigenständige Wohngrundrisse entwickelt. Wohn-, Ess- und Küchenbereich fließen ineinander über. Flurflächen werden fast keine benötigt. Auch die als Kombination aus Loggia und Balkon gestalteten Freisitze reagieren auf die Ausrichtung der Gebäude. Den Erdgeschosswohnungen sind Terrassen vorgelagert, die durch Bepflanzung eine gewisse Privatheit erhalten sollen.
Der Innenbereich ist sehr ruhig gestaltet. Lediglich ein schmaler Fußweg durchquert diesen halböffentlichen Raum.
Nach außen erhalten die Gebäude eine Verkleidung aus schwarz-grauen Klinkerriemchen. Innen bestimmen helle beige-graue Putzflächen das Bild. Die Staffelgeschosse sind dunkel verputzt.
Wie für die meisten anderen Entwürfe gilt auch hier, dass nicht alle Stellplätze in der Tiefgarage gut anzufahren sind, was aber durch zusätzliche Doppelparker aufgefangen werden kann.
Der Entwurf findet sehr konsequente Antworten auf die städtebauliche Situation und ist in guter Weise geeignet, das Baugebiet nach Süden zur bestehenden Nachbarbebauung abzuschließen. Es wird eine klare Unterscheidung in Blockinnen- und Blockaußenbereich getroffen, was sich sowohl in der Fassade als auch in der Qualität der Grundrisse widerspiegelt.