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Mehrfachbeauftragung "Neues Wohnen in Rintheim"

Mehrfachbeauftragung "Neues Wohnen in Rintheim"

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Auslober / Verfahren:

VOLKSWOHNUNG GmbH, Mehrfachbeauftragung

Visualisierung:
Andreas Stuchlik, Karlsruhe
Grundstückgröße:
11.800 m2

Wettbewerbsaufgabe:

Ziel der Planung war die Entwicklung einer städtebaulich und architektonisch ansprechenden Wohnbebauung im südlichen Bereich des Rintheimer Feldes entlang der Forststraße. Es sollte ein kostenoptimiertes Neubaukonzept erstellt werden, das eine maximale CO2-Reduzierung bei minimalen Gesamtkosten aufweist. Die Entwicklung von zeitgemäßen Wohnungstypen mit hoher Funktionalität und Qualität und zugleich niedrigen Verbrauchskosten soll attraktives, bezahlbares Wohnen für ein breit gefächertes Mietklientel ermöglichen.

Die in ein stimmiges Außenanlagenkonzept eingebundene Neubebauung soll zugleich die Aufwertung des gesamten Wohnumfeldes unterstützen.

Als Ergänzung zur Wohnbebauung war ein Alternativvorschlag mit dem Bau einer Nahversorgungseinheit zu erarbeiten. Eine städtebauliche Verknüpfung mit der südlich gelegenen Schule sowie dem nördlichen Gesamtquartier war anzustreben.

Konzept:


Städtebauliches Konzept

Das zu bebauende Grundstück erstreckt sich entlang der Forststraße und begrenzt das Wohngebiet „Rintheimer Feld“ nach Süden hin. Die vorhandene Bebauung in der Umgebung ist geprägt von einer offenen, heterogenen Bauweise, bestehend aus vier- und fünfgeschossigen Zeilenbauten und Wohntürmen mit bis zu 17 Geschossen.
Der Entwurf für die Forststraße lehnt sich an die Großstruktur der benachbarten, punktförmigen Bebauung der Hochhäuser an, modifiziert diese jedoch und skaliert sie vermittelnd auf den Maßstab der kleinteiligeren Bebauung entlang der nahen Mannheimer Straße. Zudem erhält das Wohngebiet einen klaren Abschluss entlang seiner südlichen Flanke.
Die neue Wohnbebauung besteht aus zwei gegeneinander verschobenen Reihen aus fünfgeschossigen Punkthäusern, die trotz ihrer abschließenden Wirkung die Durchlässigkeit in Nord-Süd-Richtung ähnlich einer Membran gewährleistet. Die umliegenden, weitläufigen Freibereiche werden dadurch in kleinere, maßstäblich fassbare, hofartige Räume gebrochen, die einerseits Voraussetzung sind für private und halböffentliche Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität, andererseits aber dank ihre Verwebung miteinander dennoch eine großzügige Durchgrünung der gesamten Anlage gewährleisten.
Die neue Wohnanlage wird vielfältig mit der Umgebung verknüpft. Vorhandene Wegebeziehungen werden erhalten und in die Bebauung integriert, wie die Nord-Süd-Verbindung zur Schule in der Forststraße. Die neue Ost-West-Achse bis zur Mannheimer Straße bildet nicht nur einen attraktiven Eingang zum Wohngebiet, sondern bietet den Bewohnern auch den direkten Zugang zur Straßenbahnhaltestelle „Forststraße“.

Die Wohnhäuser

Die würfelförmigen Wohnhäuser sind als Zweispänner ausgelegt und beherbergen auf fünf Etagen insgesamt zehn Wohneinheiten. Die Größe ist bewusst gewählt, um ein menschliches Maß und eine Überschaubarkeit jeder Einheit zu gewährleisten. Beruhend auf einem Grundtypen haben wir zwei verschiedene Haustypen entwickelt, die entweder 3- und 4-Zimmerwohnungen, respektive 2- und 5-Zimmerwohnungen beinhalten. Durch die Kombination der beiden Häuser wird die Wohnungsdurchmischung gesteuert, die Dank des additiven Konzepts der Einzelhäuser auch mit dem Baufortschritt korrigiert werden kann, falls die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt dies notwendig machen sollte.
Alle Wohnungen sind als Ost-West-Typen konzipiert, dreiseitig belichtet, und haben ihren Wohnraum mit Außenbereich entweder nach Süden oder Westen orientiert. Die beiden Erdgeschosswohnungen verfügen über ebenerdige Gärten, die Wohnungen in den Obergeschossen sind hingegen mit großzügigen Loggien ausgestattet. Alle Bäder sind als Tageslichtbäder konzipiert und bieten Platz für eine Waschmaschine. Die Wohnungen mit drei und mehr Zimmern haben zusätzlich noch ein WC. Die Wohnungsgrößen für die geförderten Wohnungen werden exakt eingehalten.
Im Erdgeschoss befindet sich ein Abstellraum für Kinderwägen und Rollatoren. Im Kellergeschoss sind die Kellerräume der Wohnungen und Technikräume untergebracht. Das Treppenhaus ist über eine durchgängige Glasfuge im Bereich des Aufzugschachts sowie über ein großes Oberlicht, in jedem Geschoss mit Tageslicht versorgt. Alle Wohnungen sind barrierefrei zu erreichen.
Gegenüber dem Eingangsbereich erhält jedes Wohnhaus einen geschützten Abstellbereich für Fahrräder und Abfall, der gleichzeitig den Garten des benachbarten Hauses abschirmt.

In der Außenansicht erscheinen die Wohnhäuser als elegante, geradlinige Kuben mit zeitloser Gestaltung, was sich auch in der Farb- und Materialwahl wiederspiegelt. Der weiße Putz, Holzfenster und die anthrazitfarbenen Stahlgeländer der Balkone unterstreichen diese Erscheinung.

Die Fahrrad- und Müllschuppen sind aus Sichtbeton hergestellt, wobei die Müllcontainer hinter Schiebeelementen aus Holz verschwinden.

Insgesamt besteht die Wohnanlage aus zwölf Wohnhäusern mit jeweils zehn Wohneinheiten, wodurch 120 neue Wohnungen entstehen.

Die Außenanlage

Die Wohnanlage erhält als „Rückgrat“ einen Verbindungsweg parallel zur Forststraße, an dem sich alle Häuser aufreihen. Der Weg dient nicht nur als reine Erschließung, sondern ist als Aufenthalts- und Spielfläche angelegt. Er liegt 50 cm über dem restlichen Geländeniveau und wird über die Rampen und kleine Treppen zwischen den Häusern erschlossen. Die Häuser werden von dem Weg aus ebenerdig betreten, so dass sich die Erdgeschoss-Wohnungen und -gärten um 50 cm von den umlaufenden Straßen abheben. Ein Grünstreifen zwischen Häusern und Gehweg sowie Hecken erhöhen die Privatsphäre in den unteren Wohnungen.
Zusätzliche Aufwertung erhält die Anlage anhand frei arrangierter „Aktions-Inseln“, die je nach Bedarf mit Funktionen wie Spielfläche, Sitzfläche, Pflanzbeet, Wasserbassin oder Ähnlichem belegt werden. Durch die genannten Sonderfunktionen, die interessante Reihung der einzelnen Höfe sowie die Zonierung mit Bäumen erhält die gesamte Außenanlage eine hohe Aufenthaltsqualität mit spannenden räumlichen Verknüpfungen.
Im östlichen Bereich des Grundstücks wird die Ost-West-Achse bis zur Mannheimer Straße verlängert, so dass hier ein großzügiger Eingangsbereich entsteht, der auch als Spielplatz und Wartebereich für die Straßenbahn genutzt werden kann.
Als Bodenbelag innerhalb der Wohnanlage ist eine wassergebundene Oberfläche gedacht.


Parken

Alle erforderlichen Stellplätze werden oberirdisch untergebracht. Damit dies möglich ist, werden die Stichstraßen 13300/12 und 13688/2 zu den beiden vorhandenen Tiefgaragen mit einer Spielstraße verbunden. Dadurch können nicht nur entlang der Forststraße, sondern auch im nördlichen Grundstücksbereich Stellplätze entlang der Grundstücksgrenze und somit in direkter Nähe der jeweiligen Wohnhäuser angeboten werden. Die Parkplätze werden in ihrer Gestaltung behutsam in die Außenanlage eingebettet und wechseln sich ab mit Bäumen und Pflanzbereichen. Behindertenstellplätze sind rings um die Anlage in jeweils unmittelbarer Nähe der Hauseingänge angeordnet.


Kostengünstiges Bauen

Das Augenmerk des Entwurfs liegt in der Schaffung von attraktivem Wohnraum zu bezahlbaren Preisen. Um dies zu gewährleisten, haben wir weitreichende Maßnahmen bedacht, die eine flexible und kostenoptimierte Herstellung ermöglichen. So besteht die komplette Wohnanlage aus nur einem Grundtyp, der in seiner Größe als kompakter, fünfgeschossiger Zweispänner überschaubar ist und exakt die geforderten Wohnungsflächen zur Verfügung stellt. Das additive städtebauliche Konzept lässt dabei ohne Weiteres ein Bauen in Bauabschnitten zu. Leichte Variationen ermöglichen zudem zahlreiche Grundrissvarianten, so dass man auch in der Lage ist, auf einen sich ändernden Bedarf zu reagieren. Durch die gleichen Haustypen, Fenster, Loggien, Müll- und Veloboxen, usw. ergibt sich zudem ein hoher Wiederholungsfaktor, der sich in den Herstellungskosten positiv bemerkbar machen wird.
Ein erhebliches Einsparpotential liegt bei dem Verzicht auf eine Tiefgarage, da alle Stellplätze oberirdisch untergebracht werden. Dadurch würde es bei einer möglichen Herstellung in Bauabschnitten keinerlei Abhängigkeiten zwischen Wohngebäude und Parken geben.


Alternative mit Gewerbeeinheiten

Die geforderten drei Gewerbeeinheiten werden im östlichen Bereich des Grundstücks in die Struktur der Wohnanlage integriert. Dazu werden die Erdgeschosse von drei Wohnhäusern zu einer großen, zusammenhängenden Gewerbefläche zusammengeschaltet. Es entstehen zwei Ladenlokale mit je ca. 155 m² Nutzfläche und eine Gewerbeimmobilie mit 830 m² Nettoverkaufsfläche (sowie 350 m² Lagerfläche). Die Erschließung der Geschäfte erfolgt von der Forststraße. Die erforderlichen 40 Stellplätze befinden sich entlang der Ostgrenze des Grundstücks, wodurch ein Wohnhaus entfällt. Die Parkplatzzufahrt erfolgt von der Mannheimer Straße aus über die Stichstraße 13300/12, die Ausfahrt erfolgt über die Forststraße auf die Mannheimer Straße. Die Warenanlieferung findet auf gleiche Weise statt, da sich die Laderampe auf dem Parkplatz befindet. Durch die optimierte Wegführung wird zusätzlicher Verkehr im restlichen Wohngebiet ausgeschlossen.
Die Dachfläche der Gewerbeeinheiten wird als attraktive Außenanlage gestaltet und als Verlängerung und Endpunkt des Verbindungswegs verstanden. Zudem bildet sie auch die Eingangsebene für die drei Wohnhäuser über den Geschäften. Der Weg wird als großzügige Freitreppe/Tribüne auf die Erschließungsebene geführt, wobei es zwei weitere Treppenaufgänge im Norden und Süden gibt. Selbstverständlich steht an der Forststraße auch ein Aufzug zur barrierefreien Erschließung der erhöhten Eingangsebene zur Verfügung.
Durch die Lage der Wohnhäuser auf dem Dach ergeben sich kleinere Änderungen in der Organisation. So sind die Kellerräume für die jeweils sieben Wohnungen pro Haus auf der Eingangsebene untergebracht. Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Müllbehältnisse sind im nördlichen Erdgeschoss-Bereich der Gewerbefläche in ausreichender Anzahl vorhanden.
Die Gewerbefläche ist in zwei Bereichen teilunterkellert, um notwendige Technik- und Versorgungsräume vorzuhalten.

In dieser Variante entstehen acht Wohnhäuser mit jeweils zehn Wohnungen sowie drei Häuser mit je sieben Wohnungen, so dass sich eine Gesamtanzahl von 101 Wohneinheiten ergibt. Hinzu kommen drei Gewerbeeinheiten mit insgesamt ca. 1.500 m² Nutzfläche.