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Mehrfachbeauftragung zum Neubau des Evangelischen Gemeindehauses in Reilingen

Mehrfachbeauftragung zum Neubau des Evangelischen Gemeindehauses in Reilingen

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Auslober / Verfahren:

Evangelische Kirchengemeinde Reilingen

Visualisierung:
Andreas Stuchlik, Karlsruhe

Wettbewerbsaufgabe:

Neubau von Gemeinderäumen innerhalb des Planungsgebietes zwischen Alter Friedhofstraße und Schulstraße
in Reilingen

Konzept:

Städtebauliche Fügung und Gebäudegliederung
Die städtebauliche Einordnung wird durch die Vorgaben des Bebauungsplans und den zu liefernden Stellplätzen weitestgehend vorgegeben.
Um den Fahrverkehr und die dafür erforderlichen Flächen auf dem Grundstück möglichst gering zu halten, ordnen wir die Stellplätze direkt an der Straße als Vorhof an. Im Anschluss folgt der eingeschossige Baukörper und lädt die Bürger mit dem großzügigen Eingangsbereich zum Näherkommen und Eintreten ein. Das schützende Vordach vermittelt zwischen Innen und Außen. Zurückliegend hebt sich dann der große Saal aus dem umlaufenden, eingeschossigen Baukörper hervor und lässt die besondere Nutzung das Gebäudes ablesen. Das umlaufende Glasband schafft tagsüber einen hellen, freundlichen Raum, Abends vermittelt der illuminierte Raum nach außen Festlichkeit.


Das Foyer und die Küche
Das großzügige Foyer mit direktem Eingang zum Saal, direktem Ausgang zum Innenhof und direktem Anschluss an die Küche mit Bewirtungstheke ist der zentrale Empfangsraum und Verteiler. Der Küche unmittelbar zugeordnet ist das Küchenlager mit direktem Zugang von außen.


Der Saal
Der Saal lebt von seiner klaren Struktur. Die Konstruktion liefert alle Notwendigkeiten, um einen solchen Raum bespielen zu können. Ein abgehängtes Deckensegel wird für die Raumakustik genutzt, in den ringsum laufenden Schattenfugen wird die indirekte Beleuchtung eingebaut. Die in den Raum hineinragenden Deckenränder gliedern die Saalhöhe, auch hier wird die Akzentbeleuchtung für Decke
und Boden integriert. Es können dadurch für jede Nutzung individuelle Beleuchtungsszenarien und Raumatmosphären entstehen.
Die Fensterfassade zum Innenhof wird mit Vorhängen ausgestattet, die in gleicher Faltung wie die gegenüberliegende Saalwand geknickt ist. Beides verbessert die Raumakustik, wirkt leicht und spielerisch und nimmt dem Saal die Strenge.
Das in zwei Räume aufgeteilte Stuhllager ist dem Saal direkt zugeordnet.


Der CVJM-Raum
Der CVJM-Raum wird über den Haupteingang erschlossen und findet sich zentral gelegen, auf der Nord-Westseite des Gebäudes, mit direktem Ausgang zu der großen Frei- und Grünfläche, die den Kindern und Jugendlichen zum Spielen zur Verfügung steht.Die Nutzungsoption CVJM-Raum als Bühne
Falls gewünscht, wäre die Trennwand zwischen Saal und CVJM-Raum mit einer Faltwand realisierbar. Dies würde dahingehend eine weitere Nutzungsoption eröffnen, dass der CVJM-Raum als Bühne für den Saal zu Verfügung stehen und somit der Saal mit deutlich mehr Tischen und Stühlen bestuhlt werden könnte.


Dienende Räume und Technik
Im nordöstlichen Gebäudeteil liegen alle dienende Räume und der Zugang zum CVJM-Raum. Die Gebäudetechnik wird in einer kleinen Teilunterkellerung direkt unter der Küche angeordnet, die über eine Außentreppe erschlossen wird. Die räumliche Nähe von Technik, Küche und den WCs lässt eine wirtschaftliche Errichtung der Installationen erwarten.


Der Vorhof
Der Vorhof dient nicht nur zur Unterbringung der KFZ-Stellplätze, er soll auch zu Veranstaltungszwecken wie z. B. Flohmärkten und Basaren genutzt werden. Eine schattenspendende Baumreihe in der Mitte der Fläche, mit dazwischen angeordneten Sitzbänken, gliedert die Freifläche und lädt zum Verweilen ein.


Der Innenhof
Der durch eine Klinkerwand räumlich gefasste Innenhof erweitert den Saal von innen nach außen und eignet sich für die Außenbestuhlung bei Sommerfesten, ohne die Nachbarschaft zu beeinträchtigen. Gleichzeitig ist der Außenraum dadurch für geschlossene Gesellschaften sicher eingefriedet.


Die Erweiterung
Die Erweiterung des Saales ist in Richtung des Innenhofs geplant. Hier lässt sich der Saal über die gesamte Breite vergrößern. Durch die Fassung des Innenhofs mit der umgreifenden Gartenmauer verändert sich die bauliche Situation bei einer späteren Erweiterung für die Nachbarschaft nicht, was zu einer konfliktfreien Realisierung beitragen wird.


Stellplätze und Müll
Die geforderten KFZ-Stellplätze werden ebenso wie die Fahrradstellplätze und der Müll im Vorhof unauffällig und leicht erreichbar untergebracht.


Das Materialkonzept
Für das evangelische Gemeindehaus in Reilingen wurde ein Materialkonzept gewählt, welches sich in die Umgebungsbebauung harmonisch einfügt und dennoch selbstbewusst, modern und zeitlos ist.
Das Material Klinker
Dauerhaft, robust, wertig, das sind die Eigenschaften des Klinkers. Diesen sehen wir als das Material an dem am meisten beanspruchten Bauteil eines jeden Gebäudes, an der Fassade. Von den Materialeigenschaften ganz abgesehen, vermittelt der Stein jedem Gebäude Stattlichkeit, die an dieser Stelle mit der öffentlichen Nutzung für uns gesetzt ist. Die Farbigkeit des Klinkers sehen wir in Anlehnung an die des roten Backsteins, mit dem viele Gebäude in Reilingen früher errichtet wurden. Im Detail liegt die Betonung in der horizontalen Schichtung, die die Länge unterstreicht. Dies wird durch zurückliegende Lagerfugen und stumpf gestoßene Stoßfugen erreicht. Um eine kostengünstige Herstellung erwarten zu lassen, schlagen wir vor, die Gebäudehülle mit WDVS und Klinkerriemchen auszuführen, nur die Gartenwände sind einschalig massiv gemauert.
Das Material Putz
Hell, fein, elegant, so sehen wir den Putz an den zurückspringenden Wandteilen der Fassade, die durch Vordächer geschützt sind. Er steht im Kontrast zum rauen Klinker, reflektiert die Sonne, vermittelt Helligkeit. Im Detail liegt die Betonung im Putzmaterial, in der Feinkörnigkeit und der Endbehandlung der Oberfläche. Die Flächen werden gefilzt und geglättet, die Körnung verschwindet. Dazu ist ein Oberputz auf Kalkbasis erforderlich. Die handwerklich unvermeidbaren Verarbeitungsspuren geben dem Gebäude im Streiflicht etwas Unverwechselbares, Einzigartiges.
Das geneigte Metalldach
Glatt, rhythmisierend, ruhig soll die Dachfläche des Saals werden. Die Stehfalzdeckung mit halb umgelegtem Steg wird in handwerklicher Perfektion dem Gebäude den oberen Abschluss liefern. Das vorbewitterte Titan-Zinkblech wird in einem seidigen, dunklen Grau zu keinen Farb- und Glanzüberraschungen führen. Die Metalleindeckung gilt als sehr langlebig und wartungsfrei.
Der Sonnenschutz
Auf der Süd-Westseite erhält die Glasfassade des Saals oberhalb des Vordachs einen außenliegenden, feststehenden Sonnenschutz. Dieser reflektiert das Sonnenlicht in den Saal, vermeidet aber die direkte Sonneneinstrahlung und Blendung. In den übrigen Bereichen im
Erdgeschoss ist wegen der Vordächer kein zusätzlicher Sonnenschutz erforderlich. Zur Abdunkelung dienen innenliegende Vorhänge, die zusätzlich die Raumakustik verbessern und eine „wohnliche"Atmosphäre im Saal schaffen.


Grünkonzept und Freiflächen
Auf dem Vorplatz werden hochkronige Laubbäume, z.B. Linden, angeordnet, gleiches gilt für den Innenhof. Sie spenden Schatten und gliedern die Außenräume. Entlang der nordöstlichen und südwestlichen Grenze sollen geschlossene Hainbuchenhecken mit ca. 2,00 m Höhe das Grundstück einfrieden. Die CVJM- Grünfläche soll als gemähte Wiese liegen und für Sport und Spiel zu Verfügung stehen. Alle sonstigen Grünstreifen stellen wir uns mit buschartigen, blühenden und gut riechenden Pflanzen, wie Lavendel und Rosmarin vor.
Die Flächen für den ruhenden Verkehr werden mit Rasengittersteinen, die Fahrspuren mit versickerungsfähigem Pflaster befestigt.
Die Terrasse im Innenhof ist als Pflasterklinkerfläche, die restliche Innenhoffläche als wassergebundene Splittfläche gedacht. Das Dach des eingeschossigen Baukörpers kann mit einer extensiven Begrünung als Klimapuffer eingedeckt werden.


Photovoltaik
Das Dach des Saales bietet sich als Photovoltaikfläche mit verschattungsfreier Ausrichtung nach Süd-Osten an. Mit dem gewonnen Strom könnte der eigene Stromverbrauch abgedeckt werden. Falls eine Wärmepumpe als Wärmeerzeuger zum Einsatz kommen sollte, wäre auch deren Stromverbrauch in Spitzenzeiten damit abdeckbar. Zusätzlich wäre der gesetzliche Teil der geforderten erneuerbaren Energien vorbildlich von Kirche und Gemeinde abgedeckt.