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Nicht offener Realisierungswettbewerb Betriebshof Tullastraße in Karlsruhe

Nicht offener Realisierungswettbewerb Betriebshof Tullastraße in Karlsruhe

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Auslober / Verfahren:

AVG Karlsruhe, nicht offener Realisierungswettbewerb

Visualisierung:
Maximilian Illing, München

Wettbewerbsaufgabe:

Die AVG beabsichtigt eine Neubebauung auf dem Grundstück der VBK an der Ecke Tullastraße-Durlacher Allee. Die gesamten neu bebaubaren Grundstücksflächen haben eine Größe von ca. 34.800 m2.
Auf den Grundstücksflächen des Realisierungswettbewerbes mit ca. 11.000 m² sollen Büro- und Dienstleistungsflächen und kleinteiliger Einzelhandel in Form von Nahversorgung von insgesamt ca. 30.000 m² BGF entstehen. Ein Teil der Flächen soll von der VBK, AVG, KVV & KASIG, im folgenden Ausloberin genannt, selbst genutzt werden. Für die rückwärtigen Flächen mit ca. 23.800 m² soll in einem Ideenteil ein städtebauliches Konzept und ein Nutzungskonzept entwickelt werden, das aufzeigt, wie sich das Areal der Ausloberin mittel- bis langfristig als Ganzes entwickeln kann.
Ziel des Wettbewerbs ist es, für das Areal Betriebshof Tullastraße eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung aufzuzeigen und unter Berücksichtigung des Gebäudebestandes und der genannten Rahmenbedingungen ein qualitätsvolles, wirtschaftliches und nachhaltiges Gebäudeensemble zu erhalten, das auf die städtebaulichen und funktionalen Anforderungen angemessen antwortet.
Die Ausloberin stellt sich eine angemessene und gleichzeitig selbstbewusste Architektursprache vor, die dem Selbstverständnis der Ausloberin gerecht wird. Dazu gehört neben einer spürbaren Innovation auch eine schlichte Eleganz, die sich einerseits offen und transparent präsentiert, gleichzeitig aber auch emotional anspricht. Die Gebäude sollen in einem mittleren Standard realisiert werden.

Konzept:

Städtebauliche Fügung des Realisierungsteils

Unser Leitmotiv für die Bebauung der Durlacher Allee ist die Ausarbeitung der Schnittstelle zwischen der westlich gelegenen, gründerzeitlichen Wohnbebauung der Oststadt und der östlich angrenzenden, gewerblichen Großbebauung der EnBW und des in Kürze entstehenden IKEA-Komplexes.
Die Oststadt ist geprägt von Blockrandbebauung und homogenen Gebäudehöhen und -tiefen, steinernem Habitus mit Naturstein-, Klinker- und Putz-Lochfassaden, gegliedert in Einzelparzellen mit liebevoller Detailgestaltung und Mut zur Eckbetonung wie bei dem ehemaligen Volksbankgebäude an der Ecke Tullastraße.
In deutlichem Gegensatz dazu steht die technisch wirkende Großbebauung der EnBW, ein Gebäude mit großer Länge und Volumen, mit einem auf Fingerspitzen getragenen, fast fliegenden Vordach in enormer Höhe. Die Assoziation mit einer Tragfläche liegt nahe.
Die Fassaden sehr klar strukturiert, mit Ganzglasfassaden und rhythmisierenden Erschließungskörpern.
Unser Entwurf übernimmt als Stadtbaustein die Maßstäblichkeit der Gewerbebauten, andererseits die Blockrandbebauung der Oststadt.
Die beiden Schenkel der Blockrandbebauung treffen sich an der Ecke Tullastraße. Selbsterklärend wird dadurch die Ecke zum wichtigsten Baustein des Entwurfes, worin auch seine Überhöhung und besondere Detailgestaltung begründet ist.
Der zweigeschossige Durchgang führt nicht nur zum „Outdoor"- Ausstellungsplatz der AVG, auf dem auch eine Gastronomie / Cafe denkbar ist, sondern dient als fußläufige Haupterschließung für den Gebäudeteil entlang der Tullastraße, sowie für den gesamten Ideenteil im Blockinneren.
Das Gesamtvolumen wird durch den Hochpunkt akzentuiert und gegliedert, der die Parzellierung der Oststadt sowie die Eckbetonung des gegenüberliegenden Gründerzeit-Eckgebäudes aufnimmt und dadurch den „Beginn der Stadt" deutlich markiert.

Der Gebäudeschenkel entlang der Tullastraße wird bewusst nicht parallel zur Straße, sondern rechtwinklig zum Schenkel der Durlacher Allee ausgerichtet. Dadurch wird der Neubau als Einheit gestärkt und gleichzeitig das alte, sehr schöne Bestandsgebäude der AVG freigestellt. Es staffelt sich wie auch die anderen, noch weiter zurückliegenden Gebäudeteile rhythmisch ab.
Ein gleiches Motiv finden wir bei dem Gebäude der ehemaligen Volksbank in Verbindung mit dem Gebäudeschenkel entlang der Durlacher Allee. Auch hier steht der wunderschöne Gründerzeitbau nicht in der Flucht des Neubaus, sondern ist deutlich freigestellt, fast schon in den Straßenraum einstehend.

Die Fassade übernimmt das Thema Lochfassade der Oststadt, jedoch mit einem höheren Glasanteil, um sensibel den Übergang zur technischen Glasfassade der EnBW herzustellen und die gewerbliche Nutzung ablesbar zu machen.
Als Fassadenmaterial sehen wir eine robuste Natursteinfassade in Anlehnung an die Stein- Putzfassaden der Oststadt, jedoch präzise und scharf geschnitten, klar gegliedert und ruhig rhythmisiert. Tiefe erhält das Gebäude durch die durchgängige Arkade im Erdgeschoss, die die beiden großen Durchgänge zum Blockinneren miteinander verbindet. Zusätzlich wird die Gebäudeecke durch die Ausbildung einer zweigeschossigen Arkade deutlich betont.

Auch der obere Abschluss des Eckturmes erhält eine Tiefe erzeugende Betonung durch die Ausbildung einer Loggia nach Süden. Das oberste Geschoss wird zusätzlich überhöht, um dem Gebäude einen angemessenen Abschluss zu geben.
Das zurückliegende Staffelgeschoss übernimmt die Traufhöhen der Gründerzeitbebauung und vermittelt zur gegenüberliegenden Bebauung des ehemaligen Schlachthofes.

Das Material ist ein leicht poriger, graublauer Basaltstein mit eher matter, angeschliffener und dadurch sehr wertiger, aber zurückhaltender Oberflächenerscheinung.

Gebäudeorganisation

Wesentliches Merkmal der Gebäudeorganisation liegt darin, dass an den Hauptseiten des Realisierungsteils, also entlang der Durlacher Allee und der Tullastraße, ausschließlich Büroflächen angeordnet sind. Alle Treppenhäuser, Aufzüge, WC-Anlagen und sonstige Nebenräume sind im rückwärtigen Grundrissbereich angeordnet.

Interimslösung

Für die Übergangsphase zwischen Realisierungsteil und der Fertigstellung des Ideenteils schlagen wir vor, einen kleinen Teil der Abstellhalle 1 (T3) zusammen mit der Abstellhalle 2 (T4) abzubrechen, um Raum für die notwendigen Gleisanlagen zu schaffen. Dafür wird der westliche Teil der Abstellhalle bis zur Flucht der Wartungshalle gekürzt. Mit dieser Maßnahme kann die sehr aufwendige und technisch fragwürdige Überlagerung von Gleiskörpern mit dem Realisierungsteil entlang der Tullastraße vermieden werden und die Gleise können ohne Zwänge im Außenbereich zwischen Realisierungsteil und Hallen hergestellt werden. Gleichzeitig kann ein Teil der außenliegenden Gleise schon während der Interimsphase für Ausstellungszwecke im Freibereich genutzt werden. Dieser Teil der Gleise bleibt auch nach dem vollständigen Abbruch der Hallen und der Realisierung des Ideenteils erhalten und gibt dem Gebiet einen einmaligen Charakter, der von der Geschichte des Ortes Zeugt. Die Freiluft-Ausstellungsbahnen befinden sich dabei in direktem Bezug zur Ausstellungshalle der Ausloberin und ermöglichen auch das Ausstellen von bedeutend größeren Bahnen. Die Busse können unter der Verbindungsbrücke zwischen Bestand und Realisierungsteil zur Tullastraße fahren.

Städtebauliche Fügung des Ideenteils

Das Gesamtareal wird von uns in drei von Ost nach West verlaufende Baufelder gegliedert.
Im südlichen Baufeld liegt der Realisierungsteil, im mittleren Feld der Blockinnenteil und im nördlichen Feld sind die Bestandsgebäude der AVG mit dem Arondierungsgebäude an der nordöstlichen Ecke angeordnet.
Für das Blockinnere wird eine kammartige Bebauung aus vier 7-geschossigen Gebäudeteilen entwickelt. Diese stehen auf Lücke zu den rückwärtigen Kämmen des Realisierungsteils, um maximale Gebäudeabstände mit bestmöglichen Belichtungsverhältnissen zu erzielen. Die Höhe liegt noch unter der Hochhausgrenze und staffelt sich nach Norden um ein Geschoss ab, um sich der niedereren Gebäudehöhe in der Gerwigstraße anzunähern. Die Kämme werden durch einen 3-geschossigen Verbindungsbaukörper zusammengezogen, der damit organisatorisch ein Gesamtgebäude werden lässt. Das Blockinnere ist mit einer Umfahrung geplant, die über die Gerwigstraße erschlossen ist und ebenerdige Stellplätze zulässt.
Das nördliche Baufeld ist durch die Bestandsgebäude als heterogen zu bezeichnen. Mit dem Neubau am nordöstlichen Grundstückseck schaffen wir einen Abschlussbaustein, die Arrondierung des Baufeldes.
Das Gebäude ist in der Höhe und Flucht exakt an den Bestandsgebäuden der Gerwigstraße ausgerichtet, um der Straße wieder eine klare stadträumliche Kante zu geben.
Das Besondere dieses Gebäudes ist zum einen, dass es im Mittelteil von den Bahnen unterfahren werden kann, zum anderen, dass es sich zum Blockinneren öffnet und somit Platz für die Fahrerschließung mit Tiefgaragenabfahrt bietet. Diese Öffnung ist wiederum gegenüberliegend von der in die Gerwigstraße einmündende Berckmüllerstraße und reagiert somit auf die Bebauung auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Durch die Gliederung in drei Baufelder ist eine abschnittweise Realisierung einschließlich der Interimslösung mit noch zu erhaltender Fahrzeughalle problemlos möglich.

Nutzungskonzept Ideenteil

Für den Ideenteil wird eine vollständige Büronutzung angestrebt. Alle Einheiten können analog zum Realisierungsteil flexibel an externe Nutzer mit mittlerem bis größerem Flächenbedarf vermietet oder ggf. auch veräußert werden.

Äußere Erschließung

Das Gesamtareal wird im Endzustand als offener Campus verstanden. Öffentlich, also fußläufig oder per Rad, kann ich über die Durlacher Allee, über die Tullastraße, als auch von der Gerwigstraße das Areal erreichen, wobei ein eindeutiger Schwerpunkt an der 2-geschossigen Gebäudeunterführung, direkt an der Straßenbahnhaltestelle unter dem Hochpunkt, liegt.

Mit dem Auto kann man die Tiefgarage von der Durlacher Allee im Realisierungsteil erreichen. Im Ideenteil befindet sich die Tiefgaragenzufahrt an der Gerwigstraße. Hier ist auch die ebenerdige Zufahrt auf den Campus, einschließlich der Anlieferung. Im Endzustand ist eine Verbindung der beiden Tiefgaragen denkbar, wenn sich dies mit den Nutzeranforderungen vereinbaren lässt.